Aus „t-online“ vom 21.10.2024
Es sind Zahlen, die einen zusammenzucken lassen: 2.781 Euro – so viel zahlen Pflegebedürftige derzeit durchschnittlich für das erste Jahr im Pflegeheim. Pro Monat wohlgemerkt. In manchen Bundesländern liegen die Kosten sogar über 3.000 Euro im Monat. Mit der Rente alleine kommt man da nicht weit. Gerade einmal 50 von insgesamt 18,7 Millionen Rentnern in Deutschland erhielten zuletzt so hohe Bezüge.
Die eigenen Pflegekosten tragen kann daher nur, wer ausreichend Ersparnisse hat, zusätzlich privat pflegeversichert ist oder ein Haus besitzt, das er zu Geld machen kann. Oder sagen wir besser: machen muss. Denn die meisten hatten sich sicher Schöneres für Ihr Eigentum vorgestellt, als dass der Staat darauf zugreift.
Viele sorgen daher vor und verschenken das Eigenheim frühzeitig innerhalb der Familie. Geschieht das zehn Jahre, bevor sie zum Pflegefall werden, hat der Staat keine Handhabe mehr. Für den Einzelnen und seine Liebsten mag das ein kluger Zug sein, besonders solidarisch ist er aber nicht: Schließlich ist dann der Weg frei, um Hilfe zur Pflege oder Wohngeld zu kassieren – dabei wäre genug eigenes Vermögen dagewesen.
Womit wir bei zwei interessanten Fragen wären: Wer sollte eigentlich welche Kosten im Sozialstaat tragen? Und ist die aktuelle Verteilung gerecht? Die Antworten sind nicht zuletzt deshalb spannend, weil die Sozialversicherungen allesamt in der Finanzierungsmisere stecken. Jüngster Aufreger: deutlich höhere Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung. Rein rechnerisch müsste der Zusatzbeitrag dem sogenannten Schätzerkreis zufolge 2025 um 0,8 Prozentpunkte auf dann 2,5 Prozent steigen. Was das konkret für Ihr Nettogehalt bedeuten würde, haben wir Ihnen hier ausgerechnet.
„Historisch“, nannte Gesundheitsminister Karl Lauterbach die prognostizierte Erhöhung. Und auch von der sozialen Pflegeversicherung gab es zuletzt nicht gerade beruhigende Nachrichten: Von drohender Zahlungsunfähigkeit war gar die Rede. Auch hier sollen die Beiträge steigen. Und das, obwohl die Pflegekassen den Großteil der Kosten ohnehin den Betroffenen überlassen. Wie die Rentenversicherung ächzen auch Kranken- und Pflegeversicherung unter dem demografischen Druck, der das umlagefinanzierte System in Schieflage geraten lässt.
Blick auf eine Kostenübersicht: Die Unterbringung im Pflegeheim wird seit Jahren teurer.
Die kurzfristige Lösung lautet dabei stets: Beiträge rauf. Doch nicht für alle Kosten sollten allein die gesetzlich Versicherten verantwortlich sein. Das gilt etwa für die sogenannten versicherungsfremden Leistungen, die die gesetzliche Krankenversicherung und die soziale Pflegeversicherung zahlen, obwohl dafür eigentlich die Allgemeinheit zuständig wäre.
Ein Beispiel sind die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige. Das Geld dafür stammt aus der Pflegekasse, obwohl alle diese Lasten tragen müssten – auch Beamte, Pensionäre und Selbstständige.
